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Kontraindikationen bei Massage, wann Sie absagen sollten

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Bei fünf Erkrankungen fällt eine Entstauungsmassage aus: bei schwerer Herzschwäche, frischer Thrombose im Bein, großflächig offenen Hautkrankheiten, schwerer Wundrose und fortgeschrittener Durchblutungsstörung der Beine. Auch mit Fieber oder einem Infekt sagen Sie ab. Nennen Sie Vorerkrankungen vor der ersten Massage, die Praxis stellt selbst keine Diagnose.

Feste Gegengründe laut Leitlinie
5
Leitlinie Lymphödeme, AWMF 058-001, Stand 1. Mai 2017
Zustimmung der Fachleute
96,9 Prozent
Leitlinie Lymphödeme, AWMF 058-001, Stand 1. Mai 2017
Pause mit Rezept ohne Grund
höchstens 14 Tage
Heilmittel-Richtlinie, g-ba.de, Stand 5. August 2025
Eine Therapeutin und eine ältere Kundin sitzen sich neben einer Liege gegenüber und sprechen miteinander.
Vor der ersten Massage gehören Vorerkrankungen auf den Tisch. Bild: KI generiert.

Fünf Kontraindikationen, bei denen die Massage ausfällt

Eine Kontraindikation, auf Deutsch Gegenanzeige, ist ein Grund, eine Behandlung nicht zu machen. Die verlässlichste Aufstellung für Massagen stammt aus der Leitlinie der Fachärzte zum Lymphödem. Sie gilt für die Entstauungsbehandlung mit Lymphdrainage und Kompression. Die Warnzeichen zu Herz, Gefäßen und Haut gelten aber für jede Massage.

Fünf Zustände nennt die Leitlinie als feste Gegengründe. Das sind eine schwere Herzschwäche mit Wasser in den Beinen und eine frische tiefe Thrombose im Bein. Dazu kommen großflächig offene Hautkrankheiten, eine schwere Wundrose und eine fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beine. Die Wundrose ist eine Entzündung der Haut durch Bakterien. 96,9 Prozent der beteiligten Fachleute haben dieser Liste zugestimmt.

Die Gründe sind so wichtig wie die Liste. Bei schwerer Herzschwäche kann das Wasser, das die Massage aus dem Gewebe löst, das Herz zusätzlich belasten. Von einer frischen Thrombose kann ein Blutgerinnsel in die Lunge wandern, deshalb beginnt eine Lymphdrainage erst nach einer Untersuchung durch Gefäßspezialisten. Eine Wundrose braucht ein Antibiotikum, und bis es wirkt, wird der betroffene Arm oder das Bein nicht behandelt.

Wann abgewogen statt abgesagt wird

Neben den festen Gegengründen nennt die Leitlinie Fälle, in denen abgewogen wird. Dazu gehören eine Schwellung durch einen Tumor, Infektionen der Haut, Hautkrankheiten mit Blasen und eine leichtere Durchblutungsstörung der Beine. Hier stellen Ärztin und Praxis den Nutzen der Behandlung gegen die Risiken durch die Grunderkrankung.

Zwei Beispiele zeigen, wie das aussieht. Bei einer Durchblutungsstörung der Beine untersucht vor der Behandlung, vor allem vor einem Kompressionsverband, ein Gefäßspezialist die Beine. Bei einer Schwellung durch einen Tumor wird auf die Entstauung verzichtet, wenn Betroffene sie als zusätzliche Last empfinden. In beiden Fällen entscheidet die Gesamtlage, nicht die Technik.

Feste und abzuwägende Gegengründe der Entstauungsbehandlung nach der Leitlinie zum Lymphödem, Stand Mai 2017.
ZustandEinstufungWarum
Schwere Herzschwäche mit Wasser in den Beinenfester Gegengrunddas gelöste Wasser kann das Herz zusätzlich belasten
Frische tiefe Thrombose im Beinfester Gegengrundein Gerinnsel kann in die Lunge wandern, erst nach Untersuchung durch Gefäßspezialisten
Schwere Wundrosefester Gegengrundzuerst wirkt das Antibiotikum, bis dahin keine Behandlung am Arm oder Bein
Großflächig offene Hautkrankheitenfester Gegengrunddie Haut an der behandelten Stelle ist offen
Fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beinefester Gegengrundam betroffenen Bein keine Entstauung
Leichtere Durchblutungsstörung der Beineabwägenvorher Untersuchung durch Gefäßspezialisten, besonders vor Kompression
Schwellung durch einen Tumorabwägennicht gegen die empfundene Belastung der Betroffenen

Was Sie vor der Massage von sich aus sagen

Die Praxis kann nur berücksichtigen, was sie weiß. Bei einer Massage auf Rezept stellt die Therapeutin zu Beginn einen Plan für Ihre Behandlung auf. Dafür nutzt sie das Rezept mit Diagnose und ihre eigene Untersuchung. Lage, Technik, Dauer und Stärke der Massage passt sie danach an Sie an.

8 Dinge, die die Praxis vor der Massage wissen sollte

  • Eine bestehende oder frühere Thrombose, auch wenn sie lange zurückliegt, und ob Sie Blutverdünner nehmen.
  • Herz- und Kreislauferkrankungen, besonders eine bekannte Herzschwäche mit Wasser in den Beinen.
  • Veränderungen der Haut an der Stelle, die massiert werden soll: offene Stellen, warme Rötungen, Blasen, Ekzeme, frische Narben.
  • Fieber, Infekte und Entzündungen, auch wenn sie mit der Stelle nichts zu tun haben.
  • Eine bekannte Krebserkrankung und ihre Behandlung, auch eine Bestrahlung an der Stelle.
  • Eine Schwangerschaft, den Monat und Besonderheiten wie Blutungen oder vorzeitige Wehen.
  • Knochenschwund, ein künstliches Gelenk, einen Herzschrittmacher oder andere Implantate.
  • Alle Medikamente, die Sie regelmäßig nehmen, am besten als Liste.

Wie die Praxis entscheidet, ob sie massiert

In einer Praxis mit Kassenzulassung folgt die Entscheidung festen Regeln. Zeigt sich, dass die Massage wohl nicht hilft, oder reagieren Sie ungewöhnlich, unterbricht die Praxis die Behandlung und informiert Ihre Ärztin. Wie es weitergeht, entscheidet dann die Ärztin.

Wird heute massiert?

Liegt einer der fünf festen Gegengründe vor, etwa eine frische Thrombose oder eine schwere Wundrose?

Ja

Die Massage findet nicht statt. Die Praxis informiert Ihre Ärztin. Zuerst wird die Grunderkrankung behandelt.

Nein

Haben Sie Fieber, einen Infekt oder eine akute Entzündung?

Ja

Der Termin wird verschoben. Nennen Sie den Grund, dann vermerkt ihn die Praxis, und Ihr Rezept bleibt gültig.

Nein

Gibt es einen Grund zum Abwägen, etwa eine leichtere Durchblutungsstörung oder eine Hautkrankheit?

Ja

Die Praxis wägt Nutzen und Risiko ab und spricht mit Ihrer Ärztin. Möglich sind eine kleinere Fläche, weniger Druck oder kein Kompressionsverband.

Nein

Die Massage findet nach Plan statt. Sagen Sie sofort Bescheid, wenn Schmerz, Schwindel oder Übelkeit auftreten.

Mit Fieber oder einem Infekt bleibt Ihr Rezept gültig, wenn die Praxis den Grund vermerkt. Ohne Grund verfällt es, wenn Sie länger als 14 Tage aussetzen. Mehr zu den Fristen steht im Ratgeber zum Massagetermin mit Rezept.

Gegenanzeigen bei Wellness- und Thai-Massage

Bei einer Wellness-Massage gibt es kein Rezept, keinen Behandlungsplan und keine Rücksprache mit einer Ärztin. Das Studio braucht nur eine Gewerbeanmeldung. Wer dagegen Krankheiten erkennen oder behandeln will, braucht eine Erlaubnis als Arzt oder Heilpraktiker.

Für Sie heißt das: Die Verantwortung, Vorerkrankungen zu nennen, liegt stärker bei Ihnen. Ein gutes Studio fragt trotzdem nach, und eine Absage aus Vorsicht spricht für das Studio. Bei der Thai-Massage ist das besonders wichtig, denn dort wird mit kräftigem Druck gearbeitet, und die Gelenke werden gedehnt und bewegt. Mit Knochenschwund, einer frischen Verletzung, einem künstlichen Gelenk oder in der Schwangerschaft sagen Sie das vor der Buchung, nicht erst auf der Matte. Mehr dazu steht im Ratgeber Ist Thai-Massage gefährlich?.

  1. Fragen Sie vor der Buchung, ob das Studio bei Ihrer Vorerkrankung massiert, und schildern Sie Ihre Lage in einem Satz.
  2. Erzählen Sie vor Beginn von Ihren Vorerkrankungen, auch wenn niemand einen Fragebogen vorlegt.
  3. Klären Sie den Druck vorab. Kräftiger Druck ist bei der Thai-Massage üblich und lässt sich auf Wunsch verringern.
  4. Sagen Sie während der Massage sofort Bescheid, wenn Schmerz, Schwindel, Übelkeit oder Kribbeln auftreten.
  5. Brechen Sie ab, wenn Ihnen jemand Heilung verspricht oder vom Arztbesuch abrät.
  6. Lassen Sie anhaltende Beschwerden nach einer Massage ärztlich abklären.

Warum eine Massage keine Diagnose ersetzt

Eine Massage auf Rezept ist eine Behandlung, die eine Ärztin nach einer Diagnose aufschreibt. Die Diagnose bleibt ärztliche Aufgabe. Das zeigt das Rezept: Bevor die Massage beginnen darf, müssen Diagnose und Hauptbeschwerde darauf stehen.

Für Sie folgt daraus eine einfache Reihenfolge. Zuerst klären, woher die Beschwerden kommen. Dann entscheiden, ob eine Massage passt. Erst danach einen Termin suchen. Wer das umdreht, bekommt womöglich wochenlang eine Behandlung, die an der Ursache vorbeigeht.

Häufige Fragen

Bei welchen Erkrankungen darf nicht massiert werden?

Die Leitlinie zum Lymphödem nennt fünf feste Gegengründe für eine Entstauungsmassage: schwere Herzschwäche, frische tiefe Thrombose im Bein, großflächig offene Hautkrankheiten, schwere Wundrose und fortgeschrittene Durchblutungsstörung der Beine. Auch bei Fieber, Infekten und offenen Wunden an der Stelle wird nicht massiert. Im Einzelfall entscheidet Ihre Ärztin.

Ist eine Massage bei einer Thrombose gefährlich?

Ja, bei einer frischen tiefen Thrombose im Bein ist eine Entstauungsmassage tabu, weil sich ein Gerinnsel lösen und in die Lunge wandern kann. Eine Lymphdrainage beginnt erst nach einer Untersuchung durch Gefäßspezialisten. Sagen Sie eine bekannte oder vermutete Thrombose deshalb immer vorher.

Darf man mit Fieber oder einer Erkältung zur Massage gehen?

Nein, mit Fieber, einem Infekt oder einer akuten Entzündung verschieben Sie die Massage. Ihr Rezept bleibt gültig, wenn Sie den Grund nennen und die Praxis ihn vermerkt. Ohne Grund verfällt es, wenn Sie länger als 14 Tage aussetzen.

Was ist der Unterschied zwischen festen und abzuwägenden Kontraindikationen bei Massage?

Bei einem festen Gegengrund findet die Massage nicht statt, solange der Zustand besteht. Bei einem abzuwägenden Grund stellen Ärztin und Praxis den Nutzen gegen das Risiko. Abgewogen wird zum Beispiel bei einer leichteren Durchblutungsstörung der Beine oder bei Infektionen der Haut.

Muss ich der Massagepraxis meine Vorerkrankungen nennen?

Ja, die Massagepraxis braucht Ihre Vorerkrankungen, um die Massage sicher zu planen und an Sie anzupassen. Nennen Sie Thrombosen, Herz- und Gefäßerkrankungen, Hautveränderungen, Krebserkrankungen, eine Schwangerschaft, Implantate und Ihre Medikamente. Ohne diese Angaben fehlt der Therapeutin die Grundlage.

Gelten die Kontraindikationen auch für eine Wellness-Massage?

Ja, die medizinischen Gründe gelten unabhängig davon, wer massiert. Eine frische Thrombose bleibt gefährlich, auch ohne Rezept. Im Studio fragt aber oft niemand nach, deshalb nennen Sie Ihre Vorerkrankungen vor der Buchung selbst, gerade bei kräftigen Massagen wie der Thai-Massage.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Lymphödeme, AWMF-Register 058-001, Stand Mai 2017, Frage 7 zu absoluten und relativen Kontraindikationen, Gesellschaft Deutschsprachiger Lymphologen und Deutsche Gesellschaft für Lymphologie über AWMF,
  2. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie, AWMF-Register 065-002, Version 5.0 vom 14. Februar 2023, gültig bis 13. Februar 2028, Deutsche Gesellschaft für Angiologie, Gesellschaft für Gefäßmedizin, über AWMF,
  3. Heilmittel-Richtlinie mit Heilmittelkatalog, Beschluss vom 15. Mai 2025, in Kraft seit 5. August 2025, §§ 13, 16 und 18, Gemeinsamer Bundesausschuss,
  4. Anlage 1 Leistungsbeschreibung zum Vertrag nach § 125 Absatz 1 SGB V für Physiotherapie, Abschnitte zu Behandlungsplan und Behandlungsdurchführung, GKV-Spitzenverband, veröffentlicht über AOK-Gesundheitspartner,
  5. § 1 Heilpraktikergesetz, Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  6. § 14 Gewerbeordnung, Anzeigepflicht bei Beginn eines stehenden Gewerbes, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  7. Nuad Thai, traditional Thai massage, Beschluss 14.COM 10.b.37 aus dem Jahr 2019, UNESCO,

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Stand dieser Angaben: 2. Oktober 2026.